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11.07.2007 - 1. Monat Wir sind nun bereits viele Tage mit unserem W50 in Canada unterwegs. Die Formalitäten bei der Ankunft auf dem Flughafen von Halifax und auch bei der Abholung unseres Fahrzeuges im Hafen hielten sich in Grenzen. Die Beamten waren freundlich und in keiner Weise pedantisch. Aber unser Rückflugticket mussten wir vorzeigen!! Inzwischen sind wir im LKW auch nahezu fertig eingerichtet. Ein paar Dinge sind immer mal zu ändern, zu reparieren usw. Das wird auch so bleiben. Aber die wesentliche Technik funktioniert nun nach anfänglichen Schwierigkeiten doch einigermaßen gut. Am Anfang klappte gar nichts. Wir bekamen keinen Strom auf die Batterien trotz installierter Solaranlage, der Trafo gab nach wenigen Tagen den Geist auf, das Radio war nach einem Sturz defekt, der Kühlschrank zog zu viel Strom usw. usf. Nun sind wir jedoch eingerichtet und vor allem auch wieder eingespielt. Die Landschaft hier ist unendlich weit, voller Wälder bis zum Horizont, See an See und vielen Flüssen. Und alles ist hier gewaltig. Da kennen wir von Europa her nur Miniaturausgaben. Die Kanadier sind nette Leute und sehr hilfsbereit. Wir haben trotz unserer eher beschränkten Sprachkenntnisse beste Kontakte und „angeregte“ Unterhaltungen. Ausgangspunkt ist nahezu immer unser „Dicker“. Und meistens beginnen die Gespräche mit einem „My God, what’s that?“ Keiner will uns glauben, dass das unser Motorhome ist. Aber nice oder nicely finden sie ihn alle. Der erste Höhepunkt unserer Reise war – neben dem Erlebnis des herrlichen Frühlings in Canada mit blühenden Apfelbäumen, Flieder und vielen Tulpen und Pfingstrosen – der St. Lawrence River in der Provinz Quebec. Wir überquerten ihn mit der Fähre von Riviere du Loup nach Saint Simeon, leider wegen eines heftigen Sturmes mit einem Tag Verspätung. Der St-Lorenz-Strom ist Zielgebiet vieler Wale. Wir konnten sie bereits vom Ufer aus beobachten. Und später – bei einer 3-stündigen Wale-Watching-Tour von Tadoussac aus – konnten wir sie näher sehen und vor allem auch verschiedene Arten, sogar den weißen Beluga-Wal. Die Provinz Quebec ist wie Frankreich in Europa – la grande nation! Wir haben junge!! Leute erlebt, die kein Wort englisch sprachen! Und hier gibt es Rotwein – das ist nun wieder ein riesengroßes Plus für Quebec – selbst im Supermarkt und an der Tankstelle. Das ist im übrigen Canada völlig undenkbar! Da gibt es alkoholische Getränke nur in Spezialläden, und die sind nicht gerade reichlich gesät. Quebec-City ist – zumindest in der Altstadt – die hübscheste französische Stadt, die man sich denken kann. Hoch über dem St.-Lorenz-Strom thront das Chateau Frontenac, jetzt ein Luxushotel. Im Hafen lief die „Gloria“ ein, das spanische Segelschiff von Columbus, mit viel Show und Musik. Also – überall reichlich „spectacle“. Aber für Urlauber ist das schon okay. Die haben Zeit, wollen unterhalten sein und erwarten schließlich was für ihr Geld. Der Parkplatz in der Stadt kostete mehr als ein Platz auf dem Campground (und die sind schon teuer genug!). Meistens übernachten wir – wie immer auf großen Reisen – irgendwo an der Strecke „im Grünen“, an großen Tankstellen oder auf den Parkplätzen von Wal-Mart. Ab und an ist „Sanitärprogramm“ angesagt – dann geht es zum Duschen, Haare waschen, Wäsche waschen usw. auf einen Campingplatz. In der Nähe von Cornwall in Ontario besuchten wir Upper Canada Village, eine Art Freilichtmuseum – ein historisches Dorf von 1860 mit „lebenden Dorfbewohnern“. Museumspersonal lebt – in historischer Kleidung – die verschiedenen Bewohner eines Dorfes den Besuchern vor. Das ist schon mal ganz hübsch. Entstanden war dieses Dorf beim Ausbau des St. Lawrence River zum Seeweg. Auf einer Länge von 35 Meilen mussten Uferzonen und mehrere Dörfer geflutet werden. Erhaltenswerte Häuser wurden demontiert und am heutigen Standort in idyllischer Lage am Strom wieder aufgebaut. Dann ging es zu den Niagara-Fällen. Bei strahlendem Sonnenschein (allerdings erst ab Mittag) war das Erlebnis der Fälle richtig gut. Nur eine Tatsache machte uns arg zu schaffen – die Fälle sind nahezu völlig eingebaut von Fun- und Play-Meilen sowie von Restaurants und Hotels. Das hatten wir überhaupt nicht erwartet. Nach einem Besuch bei Bekannten in der Nähe von Windsor fuhren wir zur Besichtigung nach Sainte-Marie among the Hurons, einer Jesuitenmission. Sie wurde 1639 auf dem Gebiet der Wendat-Indianer (Huronen) von französischen Jesuiten mit dem Ziel gegründet, den Missionaren eine Stätte der Erholung und den christlichen Wendat-Indianern ein Ort der Sicherheit zu sein. Die Mission wurde mit den alten Holzbauten der Jesuiten und den Indianerzelten und –langhäusern bestens wiedererrichtet. Studenten in historischer Kleidung „spielen“ den Tagesablauf in dieser Mission nach. Diese Art von „lebenden“ Museen sind in Canada sehr oft zu finden. Zur Zeit befinden wir uns für einigen Tage im Algonquin-Park, dem ältesten Park Canadas. Er ist wunderschön, und die meisten Stimmungbilder von Canada wurden im Algonquin aufgenommen. Leider ist das Wetter nicht mehr ganz so toll (recht kalt und windig, heute nacht soll es nur noch 3°C geben), aber eine Kanutour konnten wir gestern trotzdem bei (windigem) Sonnenschein machen. Und dabei kann man absolute Stille und Einsamkeit erleben. Aber leider eben auch die Moskitos und die Black flies, die kleinen schwarzen Beißfliegen. Mit dem Algonquin beginnt die Region dieser schlimmen Plagegeister. Da darf keine Stelle am Körper unbedeckt bleiben. Vor allem die Black flies machen böse Wunden. Wir haben uns mit entsprechenden Gegenmitteln von hier ordentlich eingedeckt. Trotzdem bin ich schon gebissen worden und habe am Hals hinter dem Ohr eine Geschwulst wie ein Geschwür. Und das schmerzt und juckt! Nur bei starkem Wind hat man etwas Ruhe vor den Biestern. In der nächsten Zeit werden wir straffe Fahrtage einlegen müssen, um schneller in den Norden Canadas zu gelangen. Der Sommer in Canada ist nur kurz, aber das Land ist so unendlich weit!!
Die Provinzen Manitoba und Saskatchewan und auch ein Großteil von Alberta sind im südlichen Bereich überwiegend Landwirtschaftsregionen, das Panorama nicht sonderlich aufregend. Bis auf wenige Highlights durchfuhren wir deshalb relativ rasch diese Regionen. Immerhin hatten wir in Regina, der Hauptstadt von Saskatchewan, schon mehr als 5000 km unter die Räder gebracht – kaum zu glauben für die kurze Zeit.
In Manitoba wurden wir von besonders vielen Deutschen angesprochen. Dort leben relativ viele deutsche Einwanderer. Wegen unseres Fahrzeugkennzeichens und unserer „Beflaggung“ sind wir ja auch immer als Deutsche auszumachen. So artete unser notwendiges Einkaufs-Parken manchmal zu regelrechten „Deutschland-Treffen“ aus. Das war schon spaßig.
Im Riding Mountain National Park in Manitoba konnten wir Bisons in freier Wildbahn beobachten. Sie waren nicht angriffslustig, sondern beäugten uns und unseren LKW eher neugierig nach dem gleichen Motto “What’s that??“ Auch Schwarzbären ließen sich schon des öfteren blicken, teilweise sogar nah am Highway. Leider waren sie dann aber schnell verschwunden, noch bevor wir sie fotografieren konnten.
In Regina konnten wir mittags Sergeant
Major’s Drill Parade der Royal Canadian Mounted Police,
der berühmten kanadischen Mounties, verfolgen. Und immer waren die schottischen
Dudelsackpfeifer dabei, überall, in jedem Fort und in jeder Einheit. Die
Schotten sind historisch bedingt, und die Musik der Bagpipes gehört in gewisser
Weise zu Canada. Die Parade der Mounties wurde akribisch und bis ins kleinste
Detail ausgeführt – ein Regierungsvertreter war anlässlich des Canadian Day zu
Besuch anwesend. Da wurden die Schrittübungen immer wieder neu durchgeführt,
bevor der Vorgesetzte nach Begutachtung jedes Einzelnen! zufrieden war. Aber
hübsch waren sie schon, die roten Jungs und Mädchen! In Saskatchewan haben wir wohl die
heißesten Temperaturen erlebt – 38 Grad im Schatten. Wir haben uns wie in
Brasilien gefühlt. Im LKW hatten wir 42 Grad. An Schlafen war da nicht mehr zu
denken. So etwas hatten wir uns für Canada wirklich nicht vorgestellt. Und dann
sind im Winter minus 35 Grad durchaus keine Seltenheit! Da werden bei viel
Schnee ganze Highways gesperrt. Die entsprechenden Hinweisschilder haben wir am
Highway gesehen. In Calgary in der Provinz Alberta erlebten wir die Calgary Stampede – ein 10 Tage währendes Rodeo- und Country-Spektakel. Chuckwagon racing, Rodeos zu Pferde und auf Stieren, Nashville stars und Nashville legends, Feuerwerk und, und, und. Die Stadt, ganz Canada stand Kopf! Auf allen Straßen Staus, sämtliche Parkplätze voll, und wir mit dem W50 mittendrin. Die Haare standen uns zu Berge, aber die Stimmung war großartig. Man muß diese „Greatest outdoor show on earth“ (keine falsche Bescheidenheit!) einfach erlebt haben. Übrigens Stadtfahrt: Das Fahren in
Calgary war – wie in allen großen kanadischen Städten – gewöhnungsbedürftig. Der
Richtungsverkehr wird hier groß geschrieben und wechselt auch während des Tages.
Im Zentrum herrscht meist nur Oneway-Verkehr. Dazu kommen noch Vorschriften,
welche Nummern (gerade oder ungerade Autokennzeichen-Nummern) auf welchen
Straßen von wann bis wann fahren dürfen. Man schafft das alles eigentlich nur zu
zweit. Und wenn dann noch Veranstaltungen in einer Stadt sind, dann ist es – wie
schon gesagt – zum Haare ausraufen. Der nächste Höhepunkt erwartete uns mit der Fahrt durch die kanadischen Rocky Mountains. Sie sind majestätisch, gewaltig und mit ihren riesigen Eisfeldern und klaren, kalten, grünen Gletscherseen wunderschön. Und es waren bei entsprechender Beobachtung und ein wenig Mühe (und Risiko) herrliche, total einsame Übernachtungsplätze zu finden, direkt an einem See oder River. Dort ging meist ein guter Wind, und den hat man hier in Canadas Wäldern wegen der unzähligen Moskitos, diesen miesen kleinen Insekten, sehr notwendig. Dazu wurde immer ein Lagerfeuer gemacht. Holz war ja reichlich vorhanden. Und außerdem war es dann ein wenig wie in Karl Mays Canada-Wildnis (☺). In den Rockies sind besonders viele Tiere zu Hause. Bereits beim Durchfahren der National-Parks sind sie zu beobachten – Bären, Wapitis, Caribous, Bergziegen, Biber, Marmots, verschiedene Arten von Erdhörnchen, herrlich bunte Vögel usw. Canada ist ein tierreiches Land!
In Dawson Creek in British Columbia begann mit der Meile Zero der Alaska Highway, der mit 1422 Meilen bis nach Delta Junction in Alaska führte. Rechts und links des Highway befanden sich zahllose kleine und größere Erdöl- und –gasstationen. Man gewann den Eindruck, dass sich Canada nach dem Gold- und später Kohlerausch nunmehr in einem Öl- und Gasrausch befand. Und dabei war der Diesel entlang des Alaska-Highway sündhaft teuer. Wir versuchten erst letztens dem Tankwart, als der uns den Preis nach dem Betanken unseres „Dicken“ nannte, klarzumachen, dass wir nicht Whisky, sondern Diesel tanken wollten. Auf unserer Fahrt in Richtung Nordwest wurde es immer einsamer, die Entfernungen von Ort zu Ort immer größer (300…500km) und das Panorama und die Übernachtungsplätze immer schöner. Wir denken, auf der Fahrt von Fort Nelson nach Watson Lake erreichte die landschaftliche Kulisse am Alaska Highway in Canada mit den nördlichen Rockies, dem Muncho Lake und dem Liard River ihren Höhepunkt. Auf diesen einsamen Strecken konnten wir immer wieder Tiere beobachten, die überhaupt nicht scheu waren, teilweise direkt auf dem Highway liefen. Das betraf sowohl Büffel, Elche, Caribous und Wapitis als auch Bergziegen, Dickhornschafe u.a. Selbst ein Schwarzbär, der vor etlichen Tagen etwa 20m von uns entfernt unsere Piste kreuzte, blieb in der Mitte derselben stehen und beäugte uns ausgesprochen neugierig, bevor er – nicht etwa in Panik – im Wald verschwand. Und dabei standen wir nicht mit unserem Fahrzeug, sondern rollten! Oder als wir kurz vor Ford Nelson an einem kleineren See übernachteten, hatte ein großer Biber offensichtlich seinen Bau in der Nähe unseres LKW-Standortes (wir standen direkt am Ufer, mit der geöffneten Tür zum Wasser hin). Er schwamm, bis es total dunkel geworden war, ständig ganz dicht an unserem LKW vorüber und beschaute sich dabei jedes Mal sehr interessiert das Innere unseres Fahrzeuges. Das war richtig putzig. Dabei standen wir zwei draußen am Uferrand, also ganz nah, wenn er vorüberschwamm. Natürlich verhielten wir uns ruhig, aber immerhin! Ab und an waren heiße Schwefel- oder andere Quellen (bis zu 60°C!) zu finden; da konnten wir uns dann ausgiebig wässern. Da das jedoch meist in natürlicher Umgebung möglich war – und das heißt im sumpfigen Waldgelände – waren die Moskitos, Bremsen und anderes Getier immer schon da. Und das war dann schon recht lästig. Übrigens Insekten: Je weiter wir in Richtung Norden vordrangen, desto schlimmer wurde es mit den Moskitos (die wurden auch immer größer) und vor allem mit den klitzekleinen Black flies. Die letzteren waren die gefährlicheren. Sie bissen winzige Stücken Fleisch aus der Haut, und diese Stellen entzündeten sich, schwollen stark an und ließen die Hautpartien in größerem Umkreis hart, steif und heiß werden. Dabei juckten die Bisse fürchterlich, schmerzten stark und vergrindeten ganz langsam. Der ganze Prozess zog sich jeweils eine Woche oder mehr hin. Die erste Arbeit an unseren Übernachtungsplätzen war deshalb grundsätzlich: Lagerfeuer errichten und anzünden, und zwar ein rauchendes. Sonst war es nicht mehr auszuhalten trotz aller Naturschönheit. Whitehorse, die Hauptstadt vom Yukon Territory, enttäuschte uns ein wenig. Auf uns machte die Stadt (ca. 23000 Einwohner) einen etwas verschlafenen Eindruck. Ohne Touristen wäre sie nahezu leer gewesen. Und dabei wohnten ca. 2/3 der Bevölkerung vom Yukon in Whitehorse. Der Rest war entlang der Highways angesiedelt. Whitehorse war hübsch angelegt und verfügte über etliche Attraktionen. Das Beste aber war der Yukon River selbst, der außerhalb der Downtown noch über einen Teil seiner ursprünglichen kraftvollen Stromschnellen verfügte. Das war früher mit Sicherheit der Schrecken aller Goldsucher gewesen. Interessant war auch die im Museum der Stadt dokumentarisch belegte Geschichte der Entwicklung der Stadt, des Yukon Territory und der First Nation – der Indianer des Gebietes. Abends fanden sich alle Touristen mit ihren Campern – und Müllers natürlich auch mit ihrem W50 – auf dem Parkplatz von Wal Mart ein. Das war schon witzig. Der war echt voll! Dort passierte uns allerdings ein Missgeschick, das uns bislang auf all unseren Reisen nie passiert war: Roland wurde von einem Hund gebissen. Die Besitzerin konnte die Impfbescheinigung des Hundes gegen Tollwut nachweisen, aber uns war doch recht mulmig zumute. Nach gründlicher Reinigung und Wundversorgung des Bisses hofften wir darauf, dass sich nichts entzünden würde. Wir selbst hatten uns ja vor der Reise glücklicherweise auch gegen Tollwut impfen lassen. Aber so kann’s gehen – völlig unverhofft und überraschend kam der Hund unter dem Wohnmobil hervorgeschossen. Der Yukon River begleitete uns noch eine ganze Weile. Wir fuhren von Whitehorse in Richtung Dawson City den Klondike Highway. Und dabei trafen wir immer wieder auf den Yukon. Er wurde breiter und mächtiger und zeigte an den Five Finger Rapids seine Kraft, aber auch seine Schönheit. Auf einem unserer längeren Zwischenstopps im Yukon Territory begannen wir, Brot im Lagerfeuer zu backen. Das gekaufte Brot war uns ausgegangen, und bis Dawson City war es noch weit. Schon beim ersten Mal klappte es ganz gut. Naja, das Brot war ein wenig (oder auch ein bisschen mehr) verbrannt, aber man konnte es gut essen. Und was ist schon ein bisschen verbrannt für das erste Mal!!! Wir haben’s am nächsten Tag gleich noch mal probiert (wir hatten ja kein Brot, und das gebackene vom Vortag hatten wir gleich am Abend vollkommen aufgegessen). Und es gelang ganz großartig. Roland hatte weniger Holz aufgelegt und damit weniger heiß gebacken. Es hat herrlich geschmeckt! Dazu gab’s Käse, Olivenöl, Tomaten, Zwiebeln und natürlich Rotwein. Und das Ganze direkt am See serviert! Es fehlten nur die weiße Damasttischdecke und ein kleines Streichorchester. Da wäre das als Dinner in einer richtig teuren Lodge anzubieten gewesen. In Dawson City schien die Zeit stehen geblieben zu sein. Das Städtchen mit heute knapp 1800 Einwohnern machte einen eher beschaulichen Eindruck auf uns. Kaum vorstellbar, dass hier jemals 40000 Menschen auf engstem Raum gelebt haben und dass Dawson City in der Zeit von 1896 bis 1904 das pulsierendste Herz des Klondike Gold Rush war! Es wurde damals Gold im Wert von 100 Mio Dollar gefunden! Heute waren die meisten Häuser und hölzernen Gehsteige liebevoll wiederhergerichtet, und in der Touristensaison tanzten jeden Abend die Cancan-Girls im Saloon des Spielcasinos, aber irgendwie dämmerte Dawson City im Dornröschenschlaf dahin. Alles war auf den Tourismus orientiert und arbeitete größtenteils in dieser Branche. Da fehlte nichts – Restaurant, Hotel, RV-Park, Taverne, Saloon, Casino,…. Und überall war man kostümiert – wie in Dawson City zur Zeit des Gold Rush, selbst im VisitorCenter. Es war hübsch und auch interessant, mal ein bis zwei Tage da zu bleiben und sich alles anzusehen (da hatte man dann aber auch alles gesehen!). Aber dann ging es für die meisten Besucher auch weiter. So wie für uns. Mit einer kleinen Fähre überquerten wir den Yukon und fuhren den wegen seiner schönen Bergkulisse und herrlichen Ausblicke berühmten Top of the world Highway zur amerikanischen Grenze Richtung Alaska. Aber es ging schon wenige Kilometer nach Dawson City los: Unser W50 machte Probleme – er zog nicht. Zugegeben, es ging steil in die Berge hoch, aber unser „Dicker“ hatte die Anden geschafft und wollte hier nicht vom Fleck! Jedenfalls war nach ca. 20km total Schluss, und Roland musste die Dieselpumpe ausbauen. Zugegeben – es war wieder mal eine wunderbare Stelle (ein Rastplatz) mit herrlichem Ausblick und wunderbarer Sicht. Also, das Drumherum der Panne war schon okay. Und da das Ganze dann doch ein wenig länger dauerte, blieben wir gleich zur Nacht da stehen. Am nächsten Tag hatten wir für den Top of the world das prächtigste Wetter. Die Bergkulisse dieses Highway ließ uns ins Schwärmen geraten. Canada verabschiedete sich mit herrlichen Ausblicken und zeigte sich noch einmal von seiner schönsten Seite. Der Grenzübertritt nach Alaska und damit auf US-amerikanisches Gebiet gestaltete sich unerwarteterweise völlig problemlos. Wir hatten uns gründlich darauf vorbereitet, und nun waren wir in wenigen Minuten „abgearbeitet“ und über die Grenze. Naja, auch gut. Wir waren angenehm überrascht und fuhren erleichtert „hinein nach Alaska“.
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